Heimat- und Bürgerverein Wanheim-Angerhausen e.V.


       Kurze Geschichte von Wanheim-Angerhausen


Als ältester Nachweis für die Siedlungsstelle Wanheim und Angerhausen gilt eine Urkunde des Stifts Werden aus dem Jahre1052, der zufolge „einem Edelherrn Franko und seiner Ehefrau Werinhild aus dem Besitz der Abtei Werden je eine Hufe Land in Wagenheim und Angerohuson als Leihgut übertragen wurden, nachdem das Ehepaar zuvor diesen Eigenbesitz der Abtei geschenkt hatte.“

"Wanheim und Angerhausen gehörten von jeher auf kommunaler Ebene zu Duisburg und kirchlich spätestens seit dem 12. Jahrhundert zum linksrheinischen Friemersheim. Mit diesem schlossen sich die Bürger im 16. Jahrhundert der Reformation an.

lm historischen Sinne verstehen wir unter dem Namen "Wanheim-Angerhausen“ den Siedlungsraum der im Süden vom Verlauf der Anger unterhalb der Cramer-Klett-Straße bis zu ihrer Mündung in den Rhein, im Westen vom Rhein stromabwärts von der Angermündung bis einige Meter südlich des Franzosenwegs und im Norden und Osten von der Bergischen Landwehr bis fast zum Sittardsberg (Cramer-Klett-Straße) begrenzt wird. Hinter der Bergischen Landwehr und dem Angerbach lag das Hezogtum Berg, in dem Wanheim-Angerhausen eine Enklave bildete. Auf Grund dieser Grenzlage bestand für Wanheim-Angerhausen ein komplexes Beziehungssystem, das die Einwohner unterschiedlichen Zuständigkeiten unterwarf: Neben Duisburg und Friemersheim gehörten dazu auch die Grafen von Spee auf Schloss Heltorf in ihrer Eigenschaft als Wald- und Wildgrafen der bergischen Huckinger Mark.

Dieser Zustand endete erst 1815, nachdem auf Grund der Beschlüsse des Wiener Kongresses das Gebiet des ehemaligen Herzogtums Berg an Preußen gefallen war. Die derzeitigen Grenzen verlaufen - unter Einschluss des ehemals bergischen Eichelskamps - im Norden vom Südhafen bis zur Düsseldorfer Landstraße entlang der Forststraße, im Osten entlang der Düsseldorfer Landstraße bis zur Angerbrucke kuz vor Huckingen und von dort dem Lauf der Anger folgend bis zu ihrer Mündung in den Rhein.

Die kirchlichen und verwandtschaftlichen Beziehungen begründeten jahrhundertelang (spätestens seit dem 12. Jahrhundert) einen regen Fährverkehr zwischen Wanheim und Friemersheim/Bliersheim, der - außer in Kriegszeiten – erstmals durch den Bau der Eisenbahnbrücke Hochfeld-Rheinhausen im Jahre 1873 unterbrochen, 1912 für drei Jahre wiederbelelebt und zuletzt zwischen 1925 und 1936 betrieben wurde. Außerdem bestanden Angerfähren zwischen Huckingen und Angerhausen sowie bei Schloss Angerort.

Hochwasser und Eisstände des Rheins verursachten immer wieder erhebliche Abbrüche des Wanheimer Rheinufers. Häuser fielen in den Rhein. Zeitweise wurde befürchtet, dass Wanheim mit den Jahren vollständig dem Rhein zum Opfer fallen würde. Abhilfe schafften um die Mitte des 19. Jahrhunderts Uferbefestigungen aus Ruhrbruch- und Säulenbasaltsteinen. Die derzeitige Uferanlage einschl. Leinpfad und Rheinuferpromenade entstand zwischen 1962 und 1992.

Der erste Schulmeister ist aus dem Jahre 1670 bezeugt. Der erste evangelische Gemeindepfarrer trat 1856 seinen Dienst an. Die evangelische Kirche wurde 1903 eingeweiht. In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts bildete die evangelische Gemeinde einen zweiten Bezirk, für den an der Straße Beim Knevelshof ein weiteres Gemeindehaus gebaut und eine zweite Pfarrstelle eingerichtet wurden. Infolge der Industrialisierung zogen seit der Jahrhundertwende auch zahlreiche Katholiken nach Wanheim-Angerhausen, wo sie ein reges Gemeindeleben entfalteten. 1914 weihten sie ihre Kirche dem heiligen Suitbertus; 1915 konnten sie ihre eigene Schule eröffnen.

Nach seiner „Wiedervereinigung“ mit der Stadt Duisburg im Jahre 1902 wurde Wanheim-Angerhausen ein Duisburger Stadtteil mit der Bezeichnung ,,Duisburg-Wanheim-Angerhausen“. Diesem Schritt war ein bedeutender Bevölkerungszuwachs vorausgegangen. Nachdem seit den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts in Wanheim mit Ziegeleien und Holzsägewerken erste Schritte in Richtung Industrie getan waren, erfuhr diese Entwicklung 1906/07 eine explosionsartige Ausweitung durch die Errichtung der Metallhütte an der Angermündung und 1911/12 durch den Bau einer Eisengießerei der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg. Nicht nur Fabriken, sondern auch große Wohnhäuser und ganze Siedlungen wurden urplötzlich in den ehemals landwirtschaftlich geprägten stillen Dörfern gebaut. Mitten hindurch ließ die Stadt zwischen Wanheim und Angerhausen eine Eisenbahnstrecke verlegen. Seitdem beherrscht die Schwerindustrie den alltäglichen Lebensablauf der hiesigen Bevölkerung.

Infolge der dichten Bebauung lassen sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts die ehemaligen Einzeldörfer Wanheim und Angerhausen nicht mehr von einander unterscheiden. In beiden Siedlungsräumen blieben nur wenige Häuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert erhalten. Bauernhöfe mit Getreideanbau und Viehhaltung gehören längst der Vergangenheit an. Die Einwohnerzahl stieg von 1.000 im Jahre 1890 auf ca. 12.000 am Ende des 20. Jahrhunderts – darunter zahlreiche Ausländer, die einmal als Gastarbeiter aufgenommen worden waren und inzwischen hier ihre Heimat gefunden haben.

Das Geschehen am Rheinufer, so wie es sich den Wanheimern darbot, entwickelte sich im 20. Jahrhundert auf beiden Seiten gemäß dem Auf und Ab der politischen, wirtschaftlichen und technischen Rück- und Fortschritte. Das von der Friemersheimer Straße bis zur Angermündung am Rhein entlang sich hinziehende Gelände verlor in wenigen Jahren seinen landwirtschaftlichen Charakter, indem es seit 1905 zunächst von der Metallhütte AG und 1911/12 von der Maschinenfabrik Augsburg-Nümberg mit großen Fabrikhallen bebaut und an eine längs durch Wanheim geführte Eisenbahnstrecke angeschlossen wurde. Linksrheinisch hatte die Firma Krupp aus Essen ein großes Hüttenwerke errichtet, dessen Hochöfen seit 1896 den Blick der Wanheimer auf das gegenüber liegenden Rheinufer beherrschte. 100 Jahre später fiel der letzte Hochofen im Zuge der strukturellen Änderungen fast aller lndustriezweige. Inzwischen entstanden auf dem für Transporte zu Lande und zu Wasser optimal gelegenen Areal unter dem Namen "Logport" Neuanlagen der Verkehrslogistik.

Auch auf dem Rhein hat sich das Bild verändert: Während noch bis in die sechziger Jahre bis zu 1.000 m lange Schleppzüge, gezogen von stampfenden, zischenden und rauchenden, von Dampfmaschinen angetriebenen Raddampfern, gegen Abend vor Wanheim ihre Anker warfen, mit den Schiffsglocken Signale austauschten und die Schiffer von Bord gingen, um in Wanheim ihren Proviantbedarf zu decken, ziehen längst Einzelfahrer und Schubeinheiten Tag und Nacht an Wanheim vorüber.

Weitere ausführliche Informationen bietet der Heimat- und Bürgerverein Wanheim-Angerhausen e.V. in Form von Vorträgen und anderen Veranstaltungen sowie durch die Heimatbücher ,,Wanheim-Angerhausen - Heimat zwischen Anger und Rhein", von denen im Jahre 2004 bereits der vierte Band erschien. Band 1 erschien 1990, Band 2 1994, Band 3 erschien im November 2001.

Heinrich Hildebrand

Januar 2004